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Kunst und Lehre: zwei Berufe    
   
   

Lehrtätigkeit

Neugier und individuelles Forschen begleiten mein Leben. Das ist nicht Besonderes. Ich spreche nicht nur "Autopoesis" an, obwohl diese ein großes Vergnügen bereitet ("Ich bin der Mann von Nirgendwo, ich forsche viel, es macht froh"). Ich lernte und lerne von anderen Menschen, meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Freunden, auch von Lehrern und Meistern unterschiedlicher Künste. Vielleicht fiel es mir deshalb leicht, eines Tages selbst zu lehren. Es ist die Fortsetzung des Austauschs mit "den Anderen". Lehren bedeutet, mit anderen teilen zu wollen... .Während des Studiums in Kassel malte ich mit Kindern des "Anne-Frank-Heims", bastelte mit Schülern einer Kreisberufsschule. Ich lernte Gesamtschulen und Gymnasien kennen. An der Staatlichen Werkkunstschule in Saarbücken konnte ich 1972 erstmals mit Studierenden arbeiten. Später, an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt, umfasste das Lehren auch privilegierte Veranstaltungen wie Exkursionen und Vorlesungen.

Neben der Hochschule suchte ich alternative Situationen vor allem in Kursen mit Erwachsenen. Im "centro sperimentale d'arte" im abgeschiedenen Muggio-Tal (Tessin) und später in Ronco am Lago Maggiore konnte ich erstmals auf die Unmittelbarkeit von Naturräumen reagieren. Ähnlich arbeitete ich mit Gruppen, einmal auch mit Studierenden der Ecole des Beaux-Arts aus Aix-en Provence, in den Ockerfelsen bei Rustrel/Apt und in Roussillon (Luberon).

Irgendwann werde ich von diesen Erfahrungen ausführlicher berichten.

 

Markt-Platz

Mit zwanzig Jahren hatte ich kein Interesse an einem "Kunstmarkt", auf dem irgendwann irgendwie meine Arbeiten als Waren verkauft werden sollten. Ich lebte ahnungslos in einem mir unbekannten Wirtschaftssystem.
In den politischen und kunstheoretischen Diskussionen Ende der sechziger Jahre schmerzte mich die These, dass Kunstwerke eine Ware seien, und dass daher ihr "Gebrauchswert" in einem Geld-Tauschwert-Verfahren zu bestimmen sei. Zugleich leuchteten mir Erkenntnisse Paul Bourdieus ein, dass Kunstbesitz in unserer Gesellschaft ein mögliches Distinktionsmerkmal sei, vor allem wenn er Prestige verheißt. Im Jahr 1970 übernahm ich in Saarbrücken eine kleine Galerie und gründete eine"Arbeitsgruppe für Kritische Kommunikation", die die Vermittlung der Kunst dem Warencharakter entgegensetzte. Für mich persönlich beschloß ich, keine Originale zu verkaufen. Denn wie sollte ich bei armen und reichen Interessenten eine gerechte Lösung finden? Stattdessen entwickelte ich eine aufwendige, manuelle Siebdruck-Technik, mit 10-15 Farben in kleinen Formaten, um bildhafte Qualitäten zu erreichen. Die Drucke waren billig und ein Markterfolg (!), denn ihre Auflagen wurden nahezu alle ausverkauft. Der zwangsläufige Besitz meiner Bilder quälte mich. 1981 begann ich mit dem Verkauf von Originalen und musste feststellen, dass ich in meinem abstrakten, egalitären Denken die individuelle Freude von Eigentümern unterschätzt hatte. Ich musste den prinzipiellen Widerspruch ungleicher Chancen bei Kunsterwerb relativieren. Auf diese Weise entwickelte sich ein überschaubarer, privater "Markt" für meine Kunst, der mir auch Anerkennung vermittelte. (Zwei Galerien sind zu nennen: Weinand-Bessoth, Marlies Hanstein)

Zweifellos schränkte meine etwa 35 Jahre währende Lehrtätigkeit die künstlerische Arbeit ein. Andererseits konnte ich durch die damit gegebene wirtschaftliche Basis meine Kunst in aller Freiheit entwickeln. Heute, auf dem postmodernen, pluralistisch angelegten Marktplatz habe ich beobachtet, dass zur gleichen Zeit künstlerisch sehr unterschiedliche Tendenzen zum Zuge kommen. Neben Meisterwerken oder No-Names kann man ebenso selbstverständlich Bedeutungsloses und oder Frivoles teuer erwerben. In diesem Spielfeld der Ideen und des Marketings fühle ich mich den Meistern der klassischen Moderne und ihren Nachfolgern in der Gegenwartskunst weiterhin am meisten verbunden.

 

Singende und schweigende Sirene

Schwärmend für das Bauhaus und die ersten Hochhäuser mit Flachdach in dem kleinen Saarbrücken zog ich 1964 an die Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Ich malte gegenstandslos, Farbfelder, Elementarformen mit malerischen Flecken und Texturen. Zur Zeit der Dokumenta IV wurde ich mit der dort präsentierten Pop-Art und ihrer aus den Bildern drängenden, sinnlichen Realität konfrontiert. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und ließ 1967 erstmals in meinen gegenstandslosen Kompositionen Realitätsfragmente auftauchen.

1969 hieß die erste Ausstellung in Saarbrücken: Kombinationen und kleine Märchen!

Jene Anstrengung, zwei malerische Konzepte zu behaupten, zieht sich durch meine Arbeit bis in die Gegenwart. Die autonome Malerei wird immer wieder von der erzählenden oder poetischen Malerei parallelisiert. Die "Singenden Steine" erzählen "schweigend" von ihrer eigenen Welt: von Klängen und kleinen Farbereignissen. In den Landschaften, vor allem beim Mont Ventoux und den Pyrenäen "singe" ich von Schönheit, Rhythmus und mythischer Grenze zwischen Himmel und Erde. Ich hoffe, in meinen Bildern ein modellhaftes Stück Welt zeigen zu können. Es bleibt aufregend, einen Funken Magie zu spüren, wenn ein gemaltes (= transformiertes) Etwas eine fiktive Bild-Realität zu erzeugen vermag...

 
 
           
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